Warum Crowdfunding toll ist… und das Finanzamt nicht.

>>Warum Crowdfunding toll ist… und das Finanzamt nicht.

Nach einem schönen Nachmittag, verbracht mit Gartenarbeit, bekommt man den Kopf frei.

Es sind nur noch wenige Tage bis die CodeQuartett Sammelaktion ausläuft. Ich bin super happy dass es so gut funktioniert hat und die Resonanz durchwegs positiv war.

Mir war zum Start des Projektes nicht klar, ob es funktioniert das Geld per Crowdfunding zu finanzieren. Darum war ich schon kurz davor es aus eigener Tasche zu zahlen. Das wiederum hielt mich vom eigentlichen Projekt ab. Denn es stellen sich zwei Fragen, welche nicht einfach zu beantworten waren:

  • WIRD DAS SPIEL ÜBERHAUPT JEMANDEN KAUFEN?
  • WENN JA, WIE VIELE SOLLTE ICH DRUCKEN LASSEN?

Beide Fragen waren der Grund dass der Probedruck über ein halbes Jahr Zuhause lag und ich mich jeden Tag fragte, ob ich es riskieren sollte.

Durch das Crowdfunding haben sich die Fragen schnell beantwortet. Positiver Nebeneffekt war die Verbreitung des Projektes, welche ich mit meinem kleinen Suplanus-Blog nicht geschafft hätte.

Nun sitz ich hier, hör ein Konzert von Rainhard Fendrich und freue mich, dass alles so gut funktioniert hat.

Naja, eine Hürde muss ich noch meistern… die Anmeldung eines Unternehmens. Denn das ist nicht so einfach, wie es sein sollte. Es wird oft von Politikern beworben, dass es doch so einfach sei in Deutschland ein Kleinunternehmen zu gründen… Nein, das ist es nicht.

Mit Unterstützung von Steuerberater haben wir die Rahmenbedingungen für mein Vorhaben gesteckt. Gesagt getan, Antrag besten Gewissens ausgefüllt, was ich alleine gemacht habe. Einige Fragen hatte ich noch und wandte mich direkt an das Finanzamt.

Arbeitnehmerfreundlich sind die Öffnungszeiten meist Vormittag und man kann keinen Termin vereinbaren. OK, die Behörden haben bestimmt auch ein Telefon… haben Sie, aber nicht mein zuständiges Finanzamt. Denn es gibt nur eine zentrale Rufnummer für Deutschland.

Gut, Telefon geht nicht, aber Email… WOW… nein doch nicht:
Email an einem Donnerstag versendet, nach einer Woche keine Antwort erhalten. Die Email enthielt meinen vorläufig ausgefüllten Antrag für ein Einzelunternehmen und drei Fragen.

OK, dacht ich mir, besuchen wir das Finanzamt an einem freien Tag (… hatte mir extra Urlaub genommen). Um 8:00 öffnet das Amt um 8:15 betrat ich die Pforte. Ein sehr netter Herr an der Anmeldung versuchte einen geeigneten Ansprechpartner zu finden. Er schickte mich direkt in ein Büro, in dem ich zwei Mitarbeiter des Finanzamtes angetroffen habe. Eine sehr nette Dame und ein junger Herr der nicht einmal ein „Guten Morgen“ schaffte.

Die Dame hörte sich mein Anliegen 10 Minuten an und antwortete darauf „Och, das muss meine Kollegin machen, die kennt sich da aus“.

OK, auf Warten habe ich mich eingestellt, aber in wenigen Minuten kam die Dame. Sehr forsches Auftreten, was sich im späteren Gespräch bestätigte.

Nach weiteren 10 Minuten Erklärung meines Anliegens meinte die Dame: „Wir haben Ihre Email schon erhalten. Diese haben wir direkt zu Bestätigungsgestelle weitergeschickt“. Dann war ich platt… Wie weitergeschickt? Es war ein Entwurf der zu einem Viertel nicht ausgefüllt und an keiner Stelle unterschrieben war. Als ich den drei aufmerksam zuhörenden Mitarbeiten dies gesagt hatte meinte die Sachbearbeiterin: „Achso, dass hat Sie dann wohl in der Email überlesen, was aber kein Problem ist“.

In der Email waren genau fünf Zeilen, welche eine kleine Anrede + den drei Fragen enthielt. Was kann man da überlesen? Ich versuchte mich im Zaum zu halten, denn man kann ja froh sein wenn Anträge bei unseren Behörden zumindest nicht liegenbleiben.

Ich kam nun auf meine Fragen zu sprechen. Keine einzige wurde mir beantwortet. Mit einem sehr unfreundlichen Ton gingen wir den Antrag auf die fehlenden Stellen durch.

Nach einigem hin und her war dieser komplett ausgefüllt (obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe, ob wirklich alles korrekt ist).

Blauäugig fragte ich die Anwesenden Personen, deren volle Aufmerksamkeit ich hatte, ob Sie Crowdfunding kennen. Ein kleines Schmunzeln ging durch die Runde und man erklärte mir dass sich die Leute extra wegen meiner Email informiert haben was Crowdfunding ist.

Als ich mich verabschiedete sprach mich die Sachbearbeiterin kurz (!) auf meine Pflichten an. Umsatzsteuervoranmeldung und so… jetzt war ich total verwirrt.

Als Kleinunternehmer hat man die Möglichkeit die Mehrwertsteuer nicht auszuweisen und somit muss man nur einmal Jährlich seine Steuern machen. So habe ich das auch ausgefüllt.

Die Kollegen schritten ein und erklärten der zuständigen Mitarbeiterin für Unternehmensanmeldungen dass es so OK ist wie ich es mache.

Die ganze Geschichte ist nun schon zwei Wochen her und ich habe seitdem nichts mehr vom Finanzamt gehört. Was mich ein bisschen nervös macht da ich eigentlich die Abwicklung über ein Firmenkonto machen wollte um bei der Steuer nicht wieder ins schwitzen zu kommen.

Firmenkonto, da war ja noch was…
Auf dem Anmeldungformular für ein Kleinunternehmen muss man eine Kontoverbindung für die anfallenden Kosten (Steuer) angeben… Gut, online gleich den Antrag für ein Geschäftskonto ausgedruckt (nein ausfüllen im PDF geht natürlich nicht). Bei der ersten Seite bin ich gleich gescheitert denn man benötigt die Daten der Firma. Die Daten bekomme ich aber erst nach erfolgreicher Anmeldung eines Unternehmens. Nachfragen bei Bank und Finanzamt ergaben den einzigen richtigen Weg:

  • ANMELDUNG UNTERNEHMEN
  • ANGABE VON PRIVATKONTO
  • ERÖFFNEN VON FIRMENKONTO
  • UMMELDUNG BEI FINANZAMT AUF FIRMENKONTO

Jetzt stellt sich euch bestimmt die Frage, warum ich das hier niederschreibe. Ich hoffe dass jemand der ein Unternehmen anmelden will sich den Beitrag durchliest und weniger überrascht ist wenn er/sie auf diese Probleme stößt  Denn Tipps konnte ich leider keine Geben sondern nur den Rat sich Zeit zu nehmen.

Hoffe dass alles glatt geht und ich die Quartettspiele bald verschicken kann. In diesem Sinne wünsche ich euch eine fröhliche finanzamtfreie Zeit!

By |2013-05-10T23:03:57+00:002013-05-10|Allgemein|

7 Comments

  1. Matthias 2013-05-12 at 00:44

    Ich verstehe, dass die erste Gewerbeanmeldung viele Überraschungen bringen kann. Hier aber ein paar Anmerkungen von mir:

    Emails werden vom Finanzamt recht zügig verarbeitet, die sind es ja gewohnt, dass viel via Schriftverkehr läuft.

    Ein Kleingewerbe macht grundsätzlich Sinn, wenn man wenig Investitionskosten und wenig B2B Geschäft hat. Ansonsten bin ich z.B. mitlerweile froh, dass ich nicht mehr umsatzsteuerbefreit bin, da ich mir so quasi 19% Produktpreis rabattiere. Da sollte der Umsatz aber bereits groß genug sein, dass sich ein Steuerberater lohnt (ca. 500 -2.000 EUR Kosten im Jahr), da es mit der Umsatzsteuer einige rechtliche Fallstricke gibt.

    Bezüglich der Gewerbeanmeldung: Die Beratungsqualität im Finanzamt hängt natürlich stark von der Einzelperson ab, bei der du landest. Du schreibst ja selbst, dass die Sachbearbeiter mal besser und mal schlechter drauf waren. Als Alternative bietet sich immernoch die Handelskammer an, die dich auch bei der Gewerbeanmeldung unterstützt und sie für dich beim Finanzamt einreicht.

    Bezüglich Firmenkonto: Das schöne an einem Einzelunternehmen ist, dass Privat/Beruflich nicht immer scharf zu trennen ist bzw. nicht muss. Gerade mit einem Kleingewerbe wirst du keine Probleme bekommen, wenn du erstmal nur mit deinem privaten Konto weiterfährst. Du kannst auch ein zweites Privatkonto für deine Einnahmen/Ausgaben deines Kleingewerbes anlegen. Der Status „Geschäftskonto“ spielt eine Rolle, wenn deine Gewerbeeinnahmen deine Einnahmen aus einem Angestelltenverhältnis übersteigen.

    Generell empfehle ich dir auch ein Gespräch mit der Bank. Ich habe gute Erfahrung mit der Haspa gemacht. Es geht da am Anfang vor allem darum, dass dir auch ein ausreichender Dispo gewährt wird, um flexibel zu bleiben. z.B. wenn du dein Produkt eilig nachproduzieren möchtest und weißt, dass in einer Woche der Betrag wieder ausgeglichen ist.

    Ich wünsche dir ansonsten aber viel Erfolg mit deinem Projekt :) Die Gründerkultur in Deutschland braucht mutige Entrepreneure wie dich. Die Vielfalt ist es, was uns alle weiterbringt.

  2. Johann Weiher 2013-05-12 at 11:11

    Vielen Dank Matthias für den ausführlichen Kommentar.

    @Geschäftskonto: Ich war schon bei der Sparkasse, Raiba und habe mit der DKB telefoniert.
    Raiba hat mich am besten beraten, Sparkasse verlangt Transaktionsgebühren. DKB würde höheren Dispo einräumen.
    Mal schauen was sich ergibt bzw. welche Anforderungen ich habe, denke dass wird sich am Anfang schnell herauskristallisieren.

    Vielen Dank nochmals!

  3. Martin Hark 2013-07-14 at 14:38

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit dem Thema der Finanzierung . Finanzierung stellt in erster Linie die Strategie zur Geldmittelaufbringung dar. Es gibt verschiedenste Arten und Formen der Finanzierung. In Unternehmungen kann ein gezieltes Finanzierungsmanagement maßgeblich zur Gesamtunternehmenszielerreichung beitragen. Finanzierung ist nicht immer mit der Aufnahme von Fremdkapital verbunden, vielmehr geht es darum, Prozesse zu optimieren und gezielte Möglichkeiten in der Unternehmenssteuerung auszunützen. Schlussendlich stellt der Bereich der Finanzierung Liquidität zur Verfügung, welche zeitglich die Grundlage für wirtschaftliches Handeln darstellt.

  4. Thomas 2014-12-10 at 11:01

    Ein toller Artikel, der ganz genau das wiederspiegelt, was das ganze tatsächlich mit sich bringt. Gute Infos, die auf jeden Fall dem ein oder anderen sicherlich eine große Hilfe in diesem Bereich sein werden.

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